Wasser, nicht die Straße, war die ursprüngliche Infrastruktur. Über zwei Jahrtausende hinweg war der einzige vernünftige Weg, sich zwischen diesen Dörfern zu bewegen, per Schiff, und moderne private Bootsverleihe am Comer See greifen diese Logik auf.
Die Römer verstanden das als Erste. Plinius der Jüngere besaß zwei Villen an diesen Ufern, genannt Comedia und Tragedia, und schrieb darüber, wie er aus seinem Schlafzimmerfenster fischte. Die Grand Tour brachte im 18. Jahrhundert nordeuropäische Reisende hierher, und die Villen antworteten ihnen; sie bleiben die Fixpunkte jeder Bootsfahrt auf dem Comer See. Die Villa del Balbianello wurde ab 1787 für Kardinal Angelo Maria Durini auf einem bewaldeten Ausläufer in Lenno umgebaut, wobei ihre Loggia an beiden Seiten offen blieb, sodass der Wind hindurchziehen kann. Die Villa Carlotta in Tremezzo beherbergt Skulpturen von Canova und einen 5,6 Hektar großen terrassierten Garten. Die Isola Comacina, die einzige Insel des Sees, wurde 1169 von den Streitkräften Comos zerstört und bewusst unbewohnt gelassen.
Die traditionellen Boote sind genauso wichtig wie die Architektur. Die Lucia – ein schmales hölzernes Ruderboot, das unter eisernen Reifen getragen wird – hat ihren Namen von Manzonis Roman aus dem Jahr 1827, und ihre Silhouette prägt noch immer die Erwartungen der Besucher an das „noleggio barche del Lago di Como“. Der Wind hier folgt einem Zeitplan. Der Tivano fällt am frühen Morgen aus dem Norden, flach und kalt. Die Breva kommt gegen Mittag aus dem Süden und macht das mittlere Becken unruhig.
Dieser Rhythmus erklärt die lokale Flotte. Kleine offene Motorboote mit weniger als 40 PS können nach italienischen Regeln führerscheinfrei gefahren werden, weshalb sich die Selbstvermietung entlang des Ufers von Tremezzina ausgebreitet hat. Größere hölzerne Runabouts und Tender im venezianischen Stil werden mit einem Kapitän vermietet, der weiß, wo die Untiefen vor Varenna liegen und welche Anlegestellen in Bellagio zuerst belegt sind. Tickets für einen privaten Bootsverleih am Comer See sind letztlich der Zugang zu einer Geografie, die nie dazu gedacht war, von der Straße aus gelesen zu werden.